Aktuelles

Aktuelle Vorträge von Mitgliedern des Netzwerks

24.11.2022 - Vortrag von Steve Kenner

Impulsvortrag bei dem Fachtag „Einmischen!“ der Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit mit dem Titel: „Schule als politischer Sozialisationsort?! Engagement und politische Partizipation als Lerngelegenheit“

04.11.2022 - Vortrag von Stever Kenner

Eröffnungsvortrag mit dem Titel „Demokratie braucht Schule – Schule braucht Demokratie“ bei der gleichnamigen Fachschaftstagung des Collegium Cusanum in Bonn.


15.11.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Kinder- und Jugendbeteiligung im Kontext veränderter gesellschaftlicher, demokratischer und politischer Prozesse“, Kommunalen Landestagung der Jugendarbeit Hessen, Bad Nauheim.

08.09.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Gelingensbedingungen von Kooperationen im Spannungsfeld von außerschulischer politischer Jugendbildung, Schule und Respekt Coaches“, Fachtag Respekt Coaches, Evangelische Akademie, Frankfurt am Main.


30.05.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Politische Bildung = Demokratiebildung!?“, Fachaustausch Evangelische Landjugendakademien, Altenkirchen.


11.05.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Politische Bildung = Demokratiebildung!?“, Veranstaltung „Jugendarbeit lebt!“ des Bezirksjugendrings Oberbayern, digital.


30.04.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Politische Bildung und Demokratiebildung in außerschulischen politischen Bildungseinrichtungen und die Auswirkungen von Corona“, Tagung „Quo Vadis? Wo steht die politische Jugendbildung nach zwei Jahren Pandemie?“, Heppenheim.


27.03.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Podiumsteilnahme „Demokratiebildung als Orientierungsrichtung“, Tagung „Demokratiebildung. Eckpunkte und weitere Entwicklung. Eine Orientierungstagung“, Hofgeismar.


27.03.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Demokratiebildung: Zwischen Politischer Bildung und Demokratiepädagogik“, Tagung „Demokratiebildung. Eckpunkte und weitere Entwicklung. Eine Orientierungstagung“, Hofgeismar.


19.03.2022 - Vortrag von Lara Möller, Viktoria Rieber, Fabian Fritz und Alexander Wohnig

Vortrag „Von der Partizipation zur politisch-demokratischen Partizipation: Potenziale für Jugendverbände“, Vollversammlung des Bayrischen Jugendrings (digital).

14.03.2022 - Vortrag von Alexander Wohnig

Vortrag „Politische Bildung und Demokratiebildung zwischen Affirmation und Kritik“, Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (digital).

Tagung von Mitgliedern aus dem Netzwerk

Lernort Stadion

Das DFG-Netzwerk ist mit zwei seiner Mitglieder an der Tagung "Wie gelingt partizipative politische Bildung für Jugendliche und junge Erwachsene im Fußball?" von Lernort Stadion e.V. beteiligt. Organisiert wird die Tagung u.a. von dem Netzwerkmitglied Fabian Fritz. Alexander Wohnig wird eine Keynote halten.

Die Tagung findet am 17. Februar 2022, 10:00 bis 17:00 Uhr, im Millerntor Stadion, Hamburg statt.

Weitere Informationen: https://www.lernort-stadion.de/tagung-wie-gelingt-partizipative-politische-bildung-fuer-jugendliche-und-junge-erwachsene-im-fussball/

Publiktation aus dem Netzwerk

FORUM für Kinder- und Jugendarbeit

Sämann, Jana/Wohnig, Alexander (2022): Politische Bildung und Demokratiebildung in der (außerschulischen politischen) Jugend(bildungs)arbeit. In: Forum für Kinder- und Jugendarbeit, Ausgabe 1/2022, S. 4-9, https://www.kinder-undjugendarbeit.de/fileadmin/user_upload/FORUM_2022/FORUM_1-2022_Saemann_Wohnig.pdf


DREIZEHN. Zeitschrift für Jugendsozialarbeit

Fritz, Fabian/Wohnig, Alexander (2021): Sozialarbeitspolitik als Demokratisierung der Sozialen Arbeit. In: DREIZEHN. Zeitschrift für Jugendsozialarbeit. Nr. 26. S.15-18.


Erstes Netzwerktreffen

Interview im Querschnitt - Zeitung der Universität Siegen

„Kinder und Jugendliche haben immer Interessen, die politisch sind."

Dieses Jahr ist das Wissenschaftliche Netzwerk zur Bestimmung des Verhältnisses von Demokratiebildung und politischer Bildung unter der Leitung von Jun.-Prof- Dr. Alexander Wohnig gestartet. Wir haben mit ihm über Demokratiebildung und politische Bildung gesprochen.


Das DFG-Netzwerk unter Ihrer Projektleitung setzt sich mit dem Verhältnis von Demokratiebildung und politischer Bildung auseinander. Was ist eigentlich der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Begriffen?

Die Antwort auf die Frage trifft im Grunde schon die Intention des Netzwerkes: In aktuellen Diskussionen und bildungspolitischen Verlautbarungen, aber auch in der alltäglichen Sprache über politische Bildung wird deutlich, dass die Begriffe Demokratiebildung und politische Bildung synonym verwendet werden. Wenn man nun aber wissenschaftliche und auch bildungspraktische Publikationen zu Rate zieht, fällt sehr schnell auf, dass hinter den beiden Begriffen theoretische und praktische Konzepte stecken, die im Kern jeweils unterschiedlichen Professionen zuzuordnen sind. Die politische Bildung ist wissenschaftlich sehr stark in der schulischen Politikdidaktik verankert. Hier geht es darum, wissenschaftliche Aussagen über das Lehren und Lernen im Gegenstandsbereich der Sozialwissenschaften zu treffen und darauf aufbauend didaktische Konzepte zu entwickeln, wie sozialwissenschaftliches Lehren und Lernen organisiert werden kann. Im Fokus steht dabei die Schule, aber auch außerschulische politische Jugendbildungsangebote geraten in den Blick.

Und was beschreibt dann die Demokratiebildung?

Das Konzept der Demokratiebildung ist wissenschaftlich sehr stark in der Sozialpädagogik verankert, hier insbesondere mit Blick auf demokratische Erfahrungen und demokratisches Lernen, das in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, der Jugendverbandsarbeit, in Vereinen usw. stattfindet bzw. stattfinden kann. Hier geraten u.a. stärker die Strukturen der Orte und Räume in den Blick, die demokratische Partizipation und damit das Machen von Erfahrungen mit Demokratie entweder erschweren oder erleichtern. Das Konzept zielt auf ein Lernen von Demokratie durch das Erfahren von Demokratie in den Institutionen. Die synonyme Verwendung der Begriffe ebnet die unterschiedlichen Fokusse ein, wir wollen im Netzwerk jedoch stärker auf die Potentiale der Konzepte schauen und diese daher auch mit ihren jeweiligen Schwerpunkten ernst nehmen.

Inwiefern könnten die beiden Disziplinen sich befruchten, wenn sie nicht getrennt voneinander stattfinden würden? Oder wenn es mehr Austausch gäbe.

Anknüpfend an das vorher Gesagte: Die politische Bildung könnte von der Demokratiebildung die kritische Befragung der eigenen Möglichkeiten und Voraussetzungen für demokratische Bildung erlernen und dabei auch kritisch Grenzen ebendieser analysieren, anstatt politische Bildung per se als Demokratiebildung zu bezeichnen. Auf der anderen Seite könnte die Demokratiebildung mit Konzepten der politischen Bildung kritische politische Bildungsprozesse anstoßen, die gerade aus Erfahrungen in den Institutionen der Demokratiebildung (z.B. mit erfolgreicher und/ oder gescheiterter Partizipation) entstehen. Dies sind skizzenhafte Ansatzpunkte, die wir im Netzwerk weiter diskutieren werden. Zudem könnten beide Felder von einer stärkeren gegenseitigen Rezeption profitieren, die bisher nur in Ansätzen vorhanden ist. Dabei kann u.a. die Diskussion über die jeweiligen theoretische Vorannahmen, beispielsweise zu Begriffen wie Demokratie, Bildung, Lernen, Politik, Partizipation, Emanzipation in den Blick genommen werden.

Wie gehen Sie hier weiter vor, gibt es bereits Zwischenergebnisse und welches Ziel verfolgen Sie letztendlich mit dem Netzwerk?

In dem ersten Treffen, das im August in Siegen stattfand, haben wir uns vor allem mit der Demokratietheorie und dem Lernbegriff des amerikanischen Philosophen und Pädagogen John Dewey befasst. Das war insofern ein sehr fruchtbarer Einstieg, als dass die Bezüge zu John Dewey in beiden Feldern hergestellt werden. Hier ist eine prominente Rezeptionslinie zu beobachten, die den Demokratiebegriff so modelliert, dass Kinder und Jugendliche Demokratie mit fortschreitendem Alter von der Lebens- über die Gesellschafts- und Herrschaftsform lernen. Dieses Stufenverständnis sorgt in der Demokratiebildung für Irritationen.

Inwiefern?

Die sozialpädagogische Demokratiebildung geht davon aus, dass Kindern und Jugendlichen durch die Betroffenheit von einem Gegenstand, einem Konflikt, einer Fragestellung, an einem Ort (wie zum Beispiel dem Jugendhaus) schon den Zustand der Mündigkeit zugesprochen werden muss. Hier geht es nicht darum, schrittweise Inhalte und Fakten über Demokratie als Lebens-, Gesellschafts- und Herrschaftsform zu lernen, sondern in möglichst deliberativ-gleichberechtigten Verfahren Lösungen auszuhandeln, die direkt das Zusammenleben (zum Beispiel im Jugendhaus) betreffen.

Hat die Bedeutung von politischer bzw. Demokratiebildung angesichts zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung zugenommen?

Sicherlich hat die Bedeutung in der öffentlichen Wahrnehmung zugenommen. Dies hängt u.a. an der staatlichen Förderpolitik. Hier ist zu beobachten, dass große Summen an zumeist zeitlich begrenzten Mitteln unter dem Label „Extremismusprävention und Demokratieförderung“ zur Verfügung gestellt werden. Gleichzeitig stagnieren aber die Ausgaben in der wichtigen Regelförderung. Ich würde diese Entwicklung ambivalent sehen: Auf der einen Seite ist es wichtig und gut, dass Demokratiebildung und politische Bildung in der öffentlichen Wahrnehmung an Zuspruch gewinnen und es ist, vor dem Hintergrund multipler Krisen, zu deren Folgen auch gesellschaftliche Polarisierungen gehören, sicherlich positiv zu sehen, dass die Arbeit in diesen Feldern intensiviert wird. Auf der anderen Seite führt die Förderpolitik auch zu einer Unklarheit, was mit den Begriffen und Konzepten gemeint ist sowie zu Vorgaben hinsichtlich der Zielsetzungen. Demokratiebildung und politische Bildung werden so oftmals für bestimmte Zwecke – etwa Prävention – vereinnahmt, was ihnen ihr Potenzial hinsichtlich der Ermöglichung offener Bildungsprozesse zu nehmen droht.

Wie schätzen Sie den Stand der Demokratiebildung und der politischen Bildung bei Jugendlichen ein? Wird in der Schule zu viel Wert auf politische Bildung durch Schulfächer wie Politik, Geschichte oder Sozialwissenschaften gelegt und dabei die Demokratiebildung – etwa SchülerInnen-Mitsprache in Gremien etc. – vernachlässigt?

Ich will die Bereiche nicht so stark – im Sinne eines „Entweder-Oder“ voneinander abgrenzen, sondern – unter Berücksichtigung in den Differenzen der Konzepte – eher danach fragen, welche Potenziale zum Beispiel in der politischen Bildung in der Schule liegen, um demokratische Bildungserfahrungen zu machen. Kann der Moment des politischen Handelns in der Institution gestärkt werden? Generell besteht aber das Problem, dass die Vermittlung von abprüfbarem Wissen in der Schule fokussiert wird und politisch-demokratische Beteiligungsmöglichkeiten nicht so sehr in den Fokus geraten. Zudem ist die Institution stark hierarchisch strukturiert und keine demokratische – das erschwert oder verhindert gar Demokratiebildung, was immer mitreflektiert werden muss.

Und umgekehrt: Ist in der offenen Jugendarbeit die politische Bildung zu wenig Thema, weil man die Jugendlichen damit nur schwer abholen" kann?

Kinder und Jugendliche haben immer Interessen, die politisch sind. Das Problem ist eher ein verengter Politikbegriff, der nur das als politisch gelten lässt, was im weitesten Sinne mit unserem politischen Institutionensystem zu tun hat. In der Jugendarbeit entstehen daher immer lebensweltliche und alltagsbezogene politische Bildungsanlässe, die sicherlich sehr wertvoll sind. Ob dies zu wenig geschieht, kann ich schwer einschätzen, aber diese politischen Bildungsanlässe zu moderieren und zu begleiten, dafür einen Raum zur Verfügung zu stellen, das scheint mir die pädagogische Aufgabe zu sein.

Das Interview führte Sandro Abbate

Quelle: https://www.uni-siegen.de/presse/publikationen/querschnitt

Bericht vom 27.01.2021 zur Genehmigung des Netzwerks

Politische Bildung und Demokratiebildung sind wichtiger denn je

Gerade in Zeiten, in denen etwa durch Rechtspopulismus und eine mehr und mehr polarisierte Gesellschaft die Demokratie gefährdet wird, werden politische Bildung und Demokratiebildung von Politik und Gesellschaft als wichtig markiert. Diese beiden Bildungskonzepte stammen jedoch aus unterschiedlichen Fachrichtungen und hatten bislang nur wenig bis keinen Austausch miteinander. Ein interdisziplinäres Forschungsnetzwerk an der Universität Siegen soll nun Unterschiede, Schnittmengen und Potenziale finden und so didaktische und pädagogische Konzepte weiterentwickeln und die pädagogische und politisch bildnerische Praxis verbessern. Es wird von der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) mit rund 50.000 Euro gefördert.

„Neben der Demokratiepädagogik hat seit etwa 2015 das Konzept der Demokratiebildung in dem Feld der Politischen Bildung sehr an Bedeutung gewonnen“, erklärt Jun.-Prof. Dr. Alexander Wohnig, der Initiator des Wissenschaftsnetzwerks. „Demokratiepädagogik ist auch als Kritik an der schulischen sozialwissenschaftlichen Bildung zu verstehen, die als zu verkopft gesehen wird. Hier geht es mehr darum, demokratische Erfahrungen zu ermöglichen.“ Die Demokratiebildung hingegen ist seit längerem ein Praxisfeld der Jugendarbeit in den Erziehungswissenschaften, der Sozialpädagogik und der Sozialen Arbeit.

Wohnig beschäftigt sich an der Universität Siegen mit politischer Bildung an der Schnittstelle von Schule und außerschulischer politischer Bildung. Das von ihm initiierte Netzwerk umfasst 14 Experten aus den vier Feldern Politische Bildung, Politische Theorie, Demokratiepädagogik und Demokratiebildung. „Das Netzwerk ist nicht nur interdisziplinär, sondern auch geschlechterparitätisch besetzt. Außerdem sind neben Forschenden aus Deutschland auch KollegInnen aus der Schweiz und Österreich beteiligt“, so Wohnig.

In den kommenden drei Jahren sollen die WissenschaftlerInnen in sechs Netzwerktreffen erarbeiten, wie Demokratiebildung und -pädagogik im Verhältnis zu politischer Bildung stehen und ob sie etwa auf den schulischen Bereich übertragen werden können. Dazu gilt es zunächst, Begriffe zu klären und Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten der Konzepte und der Bildungspraxis zu finden. Außerdem sollen wissenschaftlicher Nachwuchs und die gemeinsame wissenschaftliche Arbeit gefördert werden. Die Ergebnisse werden der Fachöffentlichkeit in einer Publikation sowie einer Tagung zum Ende der Projektlaufzeit zugänglich gemacht und dokumentiert.

Quelle: https://www.uni-siegen.de/start/news/oeffentlichkeit/930389.html